Mittwoch, 29.  März 2017

Allgemein

Ab 1947 suchten alle großen Nürnberger Firmen dringend nach Lehrlingen. Nicht nur die Post rekrutierte ihren Nachwuchs aus dem gesamten nordbayerischen Raum, und der musste irgendwie untergebracht werden.

Fruehstueck_im_WohnheimSchlummertrunk im Lehrlingswohnheim ???Wohnheimplätze waren Mangelware, darum suchten viele Lehrlinge zunächst eine private Unterkunft als Untermieter, teilweise zu zweit in einem Zimmer für 20 – 25 DM, ohne Verpflegung und manchmal auch ohne Heizung. Die Wäsche musste irgendwie organisiert werden, oder die schmutzigen Klamotten wurden nach Hause geschickt.

Auch als ab 1948 ein erstes Lehrlings-Wohnheim in Buchenbühl zur Verfügung stand, zogen es etliche Jungs noch vor, weiterhin in Untermiete zu logieren. Der Arbeitsplatznähe wegen, denn Buchenbühl lag doch ziemlich abseits. Zeitzeugen erzählen von doch noch primitiven Umständen in diesem neuen Wohnheim, einer ehemaligen Offiziersunterkunft der Luftwaffe. Karge Ausstattung der Zimmer, Holzpritschen in Mehrbettzimmern, schmale Blechspinde und Seemannskisten von den US-Streitkräften, und nur ein Tisch, den man sich für die „Hausaufgaben“ teilen musste.

Das damalige Wohnheim ist heute das „Jugendhotel Buchenbühl“.

Von Jahr zu Jahr verbesserten sich die Unterkünfte. Kolpinhaus_SpeisesaalSpeisesaal im Kolpinghaus
1951 eröffneten das Kolpinghaus, das Loni-Übler-Heim und, in zentraler Lage am Cramer-Klett-Park, das städtische Jugendwohnheim „Rädda Barnen“, das auch die 67er-Lehrlinge noch geniessen durften. Da gab es winzige Einbett-Zimmer, in denen man ungestört für sich sein konnte, aber auch ausreichend Aufenthaltsräume, um gemeinsam allen möglichen Blödsinn zu machen. Rädda Barnen ist heute ein Spielehaus und steht unter Denkmalschutz.

Beliebt war, wenn man den Zeitzeugen glauben darf, auch das 1952 eröffnete Heim in der Kaiserstallung, direkt an der Nürnberger Burg. Beliebt, obwohl man da teilweise nur in 16-Bett-Schlafsälen unterkam.

Später gab es noch ein weiteres Städtisches Jugendheim in der Adam-Klein-Straße 6, ein evangelisches Wohnheim in der Gibitzenhofstraße 48 und zwei Heime der AWO in Mühlhof und in Fürth. Und ab 1963 das einzige von der Post betriebene Wohnheim in der Rothenburger Straße, mit 2-, 4- und 6-Bett-Zimmern und „posteigenem“ Betreuungspersonal.

Bis Ende der 50er war die wirtschaftliche Situation für viele Menschen noch schlecht, auch für die Lehrlinge. Die „Auswärtigen“ mussten ihre Unterkunft und Verpflegung selbst bezahlen und Essen_muehlhofAbendmahlzeit in Mühlhoferhielten dafür eine Unterhaltsbeihilfe. Aber trotzdem blieb nicht viel Taschengeld übrig und für viele war schon allein eine Fahrkarte für die Straßenbahn ein wahrer Luxus. Zuschüsse von daheim waren nicht immer selbstverständlich, denn viele Eltern hatten es ja auch nicht leicht. Manche Heimbewohner verzichteten auf das Abendessen und sparten dadurch Heimkosten, mussten dann aber beim Frühstück kräftig zulangen. Kein Problem, denn Marmeladenbrote konnte man essen bis sich der Magen rumdrehte, und da galt die Regel: All You Can Eat.

Auch die Heimfahrten waren für manchen Lehrling unbezahlbar, dann blieb nur die vierteljährliche bezahlte Familienheimfahrt (ab 100 km Entfernung von der Heimat, mit einem Extra-Urlaubstag).

Erst Ende der 50er besserte sich Wirtschaftslage und auch diRaedda-DiscoDisco-Abend im Wohnheim Rädda Bärnene Lehrlinge profitierten davon. Ab 1959 wurde die Lehrlingsvergütung neu geregelt und die Post übernahm für die Auswärtigen alle Kosten für Unterkunft und volle Verpflegung im Wohnheim und Kantine. Dafür wurde lediglich eine „Heimpauschale“ von der Vergütung einbehalten. Im Jahr 1959 beispielsweise blieben einem auswärtigen Lehrling nach allen Abzügen monatlich 20 DM im ersten Lehrjahr als reines Taschengeld, im vierten Lehrjahr waren es immerhin schon 61,24 DM.

Die Verpflegung nach der Neuregelung bestand jetzt aus einem Frühstück im Wohnheim, einer reichhaltigen Brotzeit zum mitnehmen, einem warmen Mittagessen in der Kantine und einer warmen Abendmahlzeit im Wohnheim.

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