Montag, 27.  März 2017

Viele hätten einen heiligen Eid darauf geschworen, dass wir uns im 1. Lehrjahr monatelang mit dem U-Eisen rumgeplagt haben.
Nach einem Blick in die letzten noch erhaltenen wichtigen Privatarchive aus dem vergangenen Jahrtausend (sog. Wochenberichts-Hefte) wird man eines Besseren belehrt. Mit dem berüchtigten Stück Metall wurde anfangs nur 4 Tage gearbeitet die aber vielen Lehrlingen wie 4 Monate vorkamen
Zu einem späteren Zeitpunkt wurden in das Werkstück noch Löcher gebohrt und Gewinde geschnitten (für was eigentlich?) Dafür hatte man 2-3 Tage Zeit, die sich wiederum wie 2-3 Wochen angefühlt haben. Zugegeben, bei manchen dauerte es etwas länger, die Fähigkeiten waren halt unterschiedlich verteilt (bei uns Lehrlingen, aber auch bei den Ausbildern).
Die tatsächlichen- und die gefühlten Zeiten unterscheiden sich aber erheblich, womit wieder einmal bewiesen wäre: Zeitzeugen und ihre Erinnerungen sind für eine exakte historische Aufarbeitung nur bedingt geeignet, was sich aber noch nicht überall herumgesprochen hat.

Warum ist unser Gedächtnis bezüglich des U-Eisens so ungenau?
Warum täuscht uns unsere Erinnerung so?
Normalerweise werden doch negative Ereignisse verdrängt und positive Dinge verstärkt.
Liegt es daran dass es die erste große Aufgabe unseres Lebens war oder werden die Blasen an den Händen, entstanden vom vielen Schruppen des Eisens, im Gehirn als positives Ereignis verarbeitet.
Vermutlich wird sich das wissenschaftlich nie genau klären lassen, aber das ist bei einem Phänomen ja auch nicht gewünscht.

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